07.11.2010

Familien- und Freundesbildnisse

Otto Wesendonck. Fotografie 1876Familien- und Freundesbildnisse




Die Familienbildnisse der Wesendoncks waren der Teil der Sammlung, der von Beginn an im Besitz der Stadt verblieb. Deshalb sind die Bilder auch nicht im Katalog des Provinzialmuseums von 1927 aufgeführt. Mit der Gründung des Stadtmuseums in Bonn 1991 ging dieser Bestand in dessen Besitz über. [1]
In einer Sonderausstellung 2013 - 2014 "Die Wesendoncks in Bonn?" wurden die Familienbildnisse im Ernst-Moritz-Arndt-Haus in Bonn gezeigt.
 
Im Bestandskatalog des StadtMuseums Bonn Nr. 1 (Bonn 1996), hrsg. von Ingrid Bodsch, ist zu den jeweiligen Familien- und Freundesbildnissen folgendes vermerkt:
Eh. Städt. Museum Villa Obernier, vormals Sammlung Wesendonck. Leihgabe seit 1913, erworben 1925. Ab 1947 Städ. Kunstsammlungen Bonn. Ab 1991 Stadtmuseum Bonn. [2]


Bildnisse der Familie im Besitz des StadtMuseums Bonn

 
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  1. Berdellé, Johann Baptist: Bildnis Frau Katharina Stein. 1840, Öl a. Lwd., 95 x 78 cm. [SMB 1991/G019] 
  2. Hildebrandt, Theodor: Bildnis Karl Luckemeyer. 1851, Öl a. Lwd., 93 x 72,5 cm. [SMB 1991/G104] Sammlung Wesendonck: Familienbildnisse Nr. 2.
    Hildebrandt stellt Karl Luckemeyer, Vater der Mathilde Wesendonck, in Halbfigur dar. Der Porträtierte steht fast frontal, nur leicht nach rechts gewandt, vor neutralem dunklem Grund. Sein Blick ist aus dem Bild heraus an dem Betrachter vorbei in die Ferne gerichtet. Entsprechend der Zeitmode trägt er eine dunkle Frackjacke, darunter ein weißes Hemd, das am Kragen von einer schwarzen seidenen Halsbinde bedeckt wird. Seine rechte Hand greift in napoleonischer Geste in die linke Jackenhälfte, die linke Hand stützt sich auf eine Stuhllehne. Der ernste, konzentrierte Gesichtsausdruck und die dunkle Kleidung verleihen dem Dargestellten Würde. Er trägt einen modischen Kinnbart und sein gewelltes, links gescheiteltes Haar aus der hohen Stirn gekämmt. Die Lichtführung akzentuiert in besonderer Weise Kopf und rechte Hand, die Hauptausdrucksträger des Bildnisses. In der Art der Darstellung spiegelt sich das neue Selbstbewußtsein des Bürgertums Mitte des 19. Jahrhunderts. [3] 
  3. Lampe, Georg: Bildnis Evy Wesendonck, geb. Hessenstein, mit ihren Kindern (Otto-Günther, Blanka). 1890, Öl a. Lwd., 176,5 x 137 cm. [SMB 1991/G165] 
  4. Lenbach, Franz von: Bildnis Otto Wesendonck. 1892, Öl a. Lwd., 105 x 75 cm. [SMB 1991/G168]  
    Der Porträtierte sitzt in Halbfigur in leichter Wendung nach links. Die dunkel gekleidete Figur hebt sich kaum von dem undifferenzierten, dunklen Hintergrund ab. Nur der weißhaarige und weißbärtige Charakterkopf, dessen Blick auf ein unbestimmtes Ziel gerichtet ist sowie die rechte Hand des Dargestellten sind in schlaglichtartiger Beleuchtung aus dem Dunkel herausgearbeitet. Diese Konzentration auf Kopf und Hand läßt die Persönlichkeit Otto Wesendoncks voll zur Geltung kommen. Er war ein erfolgreicher Kaufmann, der in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts eine beachtliche Gemäldesammlung zusammengetragen hat, die Anfang des 20. Jahrhunderts von seinen Erben der Stadt Bonn leihweise überlassen und später von dieser zum Teil angekauft wurde. Otto Wesendonck und seine Gattin Johanna, geb. Luckemeyer, waren eng befreundet mit Richard Wagner, der einige Zeit bei ihnen in Zürich verweilte. Später lebte das Ehepaar Wesendonck in Berlin, wo der Dargestellte 1896 im Alter von 82 Jahren verstarb. Mit Bonn verband sie ihre Herkunft aus dem Rheinland und der Tod einer ihrer Söhne in dieser Stadt im Jahre 1882, wodurch die Familie ihre letzte Ruhestätte auf dem hiesigen Alten Friedhof fand. [4] 
  5. Roeting, Julius: Bildnis Mathilde Wesendonck. 1860, Öl a. Lwd., 22 x 18 cm. [SMB 1991/G273]  
  6. Roeting, Julius: Bildnis Otto Wesendonck (Bruder Mathilde Wesendoncks). 1860, Öl a. Lwd., 137 x 92,5 cm. [SMB 1991/G275]  
  7. Sohn, Carl Ferdinand: Bildnis Frau Johanna Luckemeyer (Mutter der Mathilde Wesendonck). 1851, Öl a. Lwd., 92 x 72 cm. [SMB 1991/G314]  
  8. Sohn, Carl Ferdinand: Bildnis Mathilde Wesendonck. 1850, Öl a. Lwd., 124,5 x 97 cm. [SMB 1991/G313] Sammlung Wesendonck: Familienbildnisse Nr. 4. 
    Das Kniestück zeigt die 22jährige Mathilde Wesendonck (1828-1902), Tochter des rheinischen Kaufmanns Carl Luckemeyer und seiner Gattin Johanna, zwei jahre nach ihrer Verehelichung mit dem vermögenden seidenhändler Otto Wesendonck (vgl. Kat. B., F. v. Lenbach, Bildnis Otto Wesendonck [= 4].). Sie steht erhöht vor einer Landschaft und wendet sich en face dem Betrachter zu. Ihren linken Ellenbogen stützt sie auf ein mit einem Samttuch bedecktes Möbel, die Hand hält sie graziös an ihr Kinn. Anmutig neigt sie ihren Kopf leicht nach links und blickt träumerisch zum Beschauer. Das hochgesteckte Haar wird von einem zarten Tülltüchlein und Perlen geziert. Die Dargestellte trägt ein weißes, schulterfreies und tailliertes Kleid, darüber in duftiger Durchsichtigkeit eine schwarze Tüll-Mantille. Hinter ihr ist eine südliche Landschaft zu erkennen: unter weitem bewölktem Himmel erstreckt sich eine Wasserfläche, wahrscheinlich der Züricher See, denn nach Zürich waren die wesendoncks im Jahre 1850 übersiedelt. In ihrem Hause fand Richard Wagner, dem Mathilde Wesendonck Freundin und Förderin war, bis 1858 Asyl. Der Gestus ihrer Hand, die sie an ihr Kinn führt, charakterisiert die Porträtierte als tugendhaft und dem Schöngeistigen zugetan, veranschaulicht das musische und poetische Wesen Mathilde Wesendonck. [5]  
  9. Sohn, Carl Rudolph: Bildnis August Wesendonck. 1870, Öl a. Lwd., 23,5 x 18 cm. [SMB 1991/G315] 
  10. Sohn, Carl Rudolph: Bildnis Hans Wesendonck. 1873, Öl a. Lwd., 54 x 42,5 cm. [SMB 1991/G316] Sammlung Wesendonck: Familienbildnisse Nr. 9.
    Das Brustbild vor neutralem dunklem Grund zeigt Hans Wesendonck als 10jährigen auf einem Stuhl mit hoher Lehne sitzend, den Oberkörper etwas nach rechts gedreht, den Kopf frontal zum Beschauer gerichtet und leicht nach links geneigt. Das kindliche Gesicht schaut mit verträumtem, etwas melancholisch anmutendem Blick aus dem Bild heraus. Der Zeit entsprechend gediegen ist die dunkle Kleidung mit großem weißem Kragen und brauner Fliege und das ordentlich gekämmte, rechts gescheitelte blonde Haar. Der dargestellte war Sohn des Otto Wesendonck und verstarb bereits 1882 während seines Studiums in Bonn. Er wurde als erstes Familienmitglied in dem Familiengrab Wesendonck auf dem Bonner Alten Friedhof beigesetzt. [6]  
  11. Sohn, Carl Rudolph: Bildnis des 17jährigen Karl Wesendonck. 1873, Öl a. Lwd., 55 x 44 cm. [SMB 1991/G317] 
  12. Willich, Cäsar: Bildnis des 3jährigen Karl Wesendonck. Rom 1860, Öl a. Lwd., 56,5 x 45 cm. [SMB 1991/G344] 
  13. Willich, Cäsar: Bildnis Myrrha Wesendonck im 10. Lebensjahr. Zürich 1861, Öl a. Lwd., 61,5 x 50 cm. [SMB 1991/G345]  


Bildnisse der Freunde im Besitz des StadtMuseums Bonn


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  1. Lampe, Georg: Bildnis Rudolf von Bennigsen. 1889, Öl a. Lwd., 78,5 x 62,5 cm. [SMB 1991/G164] 
  2. Lampe, Georg: Bildnis Dr. Carl Peters. 1889/90, Öl a. Lwd., 81 x 65,5 cm. [SMB 1991/G166] Sammlung Wesendonck: Familienbildnisse Nr. 16.
    Lampe wälte zur Darstellung des Afrikaforscher Dr. Carl Peters (1856-1918) den zum Ende des 19. Jahrhunderts beliebten Typus des Halbfigurenbildnisses. Der einfarbige Hintergrund und die dunkle Jacke, die der Porträtierte trägt, lenken alle Konzentration auf den Kopf, der durch von links einfallende Beleuchtung eindrucksvoll aus dem Dunkel herausmedelliert ist. In dem markanten Gesicht mit Oberlippenbart und dem in die Ferne schweifenden Blick des Dargestellten reflecktieren sich Forschergeist und Durchsetzungsvermögen. Das Bildnis gibt den Afrikaforscher und Kolonialpolitiker auf der Höhe seines Strebens wieder: nachdem er die Gesellschaft für deutsche Kolonisation gegründet hatte, erwarb er in deren Auftrag 1884/85 große Teile des späteren Deutsch-Ostafrika, was hohe gesellschaftliche Anerkennung mit sich brachte. [7]    
  3. Willich, Cäsar: Bildnis Ludwig Ettmüller. Zürich 1861, Öl a. Lwd., 64,5 x 54 cm. [SMB 1991/G346] 
  4. Willich, Cäsar: Bildnis Richard Wagner. 1862, Öl a. Lwd., 79 x 62,5 cm. [SMB 1991/G347] Sammlung Wesendonck: Familienbildnisse Nr. 14. (s. a.: Wagner-Bildnis C. Willich 1862)  


  
Bilder:
  1. Vergrößern  Ausschnitt: Otto Wesendonck. Teich Hanfstaengl (Königlich Sächsischer Hofphotograph): Dresden 1876, Fotografie. [1] 
  2. Familien- (Bilder 1 - 13) und Freundesbildnisse (Bilder 1- 4). [1] 

Quellen:
  1. Lange, Sigrid Dr. (Freie Mitarbeiterin StadtMuseum Bonn): eMail vom 19.02.2013.
    Abbildungen: Mit freundlicher Genehmigung: StadtMuseum Bonn
  2. Bildbeschreibungen. In: Bodsch, Ingrid (Hrsg.): Stadtmuseum Bonn. Gemälde. (= Bestandskatalog des Stadtmuseums Bonn Nr. 1.) Bonn 1996. 
  3. Ebenda. S. 122.
  4. Ebenda. S. 137. 
  5. Ebenda. S. 186. 
  6. Ebenda. S. 187. 
  7. Ebenda. S. 136. 

Links:

Bibliografie:
  • Wesendonck, Otto: Gemälde-Sammlung von Otto Wesendonck in Berlin. Katalog A / Katalog A mit Anhang. A. Haack-Verlag, Berlin 1888. 
  • Wesendonck, Otto: Gemälde-Sammlung von Otto Wesendonck in Berlin. Katalog B mit Anhang. A. Haack-Verlag, Berlin 1888.
     
  • Bodsch, Ingrid (Hrsg.): Stadtmuseum Bonn. Gemälde. (= Bestandskatalog des Stadtmuseums Bonn Nr. 1.) Bonn 1996. 
  • Galland, Georg: Besichtigung des Wesendonckschen Hauses sowie der Gemälde-Galerie. In: Gesellschafts-Vorstand (Hrsg.): "Brandenburgia." Monatsblatt der Gesellschaft für Heimatkunde der Provinz Brandenburg zu Berlin. Unter Mitwirkung des Märkischen Provinzial-Museums, herausgegeben vom Gesellschafts-Vorstande. VIII. Jahrgang 1899 1900. Druck und Verlag von P. Stankiewicz' Buchdruckerei, Berlin 1900, S. 118 - 122. 


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