07.02.2013

Mathilde Wesendonck - 1939

Deutsche Frauen. Bildnisse und Lebensbeschreibungen. Eingeleitet von Ina Seidel. Verlag Ernst Steiniger, Berlin 1939Mathilde Wesendonck


1939

Würdigung der Person


In dem Buch Deutsche Frauen. Bildnisse und Lebensbeschreibungen aus dem Jahre 1939 wird durch den Musikwissenschaftler und -kritiker Dr. externer Link Wikipedia Karl Holl: (* 1892 - † 1975) aus Frankfurt a. Main sein Beitrag Mathilde Wesendonck publiziert. [1]

Deutsche Frauen. Bildnisse und Lebensbeschreibungen. Eingeleitet von Ina Seidel. Verlag Ernst Steiniger, Berlin 1939
Deutsche Frauen. Bildnisse und Lebensbeschreibungen.
Eingeleitet von Ina Seidel. Verlag Ernst Steiniger, Berlin 1939
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Deutsche Frauen. Bildnisse und Lebensbeschreibungen. Eingeleitet von Ina Seidel. Verlag Ernst Steiniger, Berlin 1939, S. 204
Deutsche Frauen. Bildnisse und Lebensbeschreibungen.
Eingeleitet von Ina Seidel. Verlag Ernst Steiniger, Berlin 1939
, S. 204. (2)


Mathilde Wesendonck

„...Ein holdes Weib, schüchtern und zagend, warf mutig sich in das Meer der Schmerzen und Leiden, um mir diesen herrlichen Augenblick zu schaffen, mir zu sagen: Ich liebe Dich!“...
...„sie ist und bleibt meine erste und einzige Liebe! ... Es war der Höhepunkt meines Lebens: die bangen, schön beklommenen Jahre, die ich in dem wachsenden Zauber ihrer Nähe, ihrer Neigung verlebte, enthalten alle Süße meines Lebens“...
...„Da zwischen uns nie von einer Vereinigung die Rede sein konnte, gewann unsere tiefe Neigung den traurigen wehmütigen Charakter, der alles Gemeine und Niedere fern hält und nur in dem Wohlergehen des Andren den Quell der Freude erkennt“...
...„Mir ist dabei recht wohl bewußt, daß ich nie etwas Neues mehr erfinden werde: jene eine höchste Blütezeit hat in mir eine solche Fülle von Keimen getrieben, daß ich jetzt nur immer in meiner Kunst in meinen Vorrat zurückzugreifen habe, um mit leichter Pflege mir die Blume zu erschließen“... [*]
Was wüßten wir noch von Mathilde Wesendonck, wäre ihr nicht bestimmt gewesen, auf solche Art in das Schicksal Richard Wagners einzugreifen, hätte nicht diese Fügung im Schaffen dieser schier übermenschlichen Künstlerpersönlichkeit eine so tiefe und segensreiche Spur hinterlassen?

*

Mathilde Luckemeyer ist im Jahre 1828 als Tochter eines Kommerzienrates in Elberfeld geboren. Im zwanzigsten Lebensjahre verheiratete sie sich in Düsseldorf mit dem dreizehn Jahre älteren Otto Wesendonck, dem deutschen Teilhaber eines großen New Yorker Seidenhauses. Von 1851 bis 1872 wohnte sie mit ihrem Gatten, dem sie bis 1862 fünf Kinder gebar, in Zürich, dann rund zehn Jahre lang in Dresden. Die letzten zwanzig Jahre ihres Lebens verbrachte sie teils in Berlin, teils auf ihrem Landhause am Traunsee. Dort ist sie im Jahre 1902, sechs Jahre nach dem Tode Otto Wesendoncks, gestorben. Seit ihrem vierzigsten Lebensjahre ist diese Tochter und Gattin eines Großkaufmanns mit Dramen, mit Märchen- und Puppenspielen, mit Märchenerzählungen und auch mit einem Kinderbuch an die Öffentlichkeit getreten. Sie war auf jeden Fall innerhalb ihrer Gesellschaftsschicht eine ungewöhnliche Frau, mehr als durchschnittlich begabt und gebildet. Aber ihr Nachruhm, ja sogar ihre bescheidene Wirkung als Schriftstellerin zu ihren Lebzeiten ruht auf anderen Grundlagen. Sagen wir es nun klar und deutlich: sie ist in den Züricher Jahren, von 1853 bis 1858, die geistige Gefährtin, die wahre Freundin und die „Muse“ des Mannes gewesen, der damals den „Ring des Nibelungen“ bis zur Mitte des „Siegfried“ gefördert, den „Tristan“ gedichtet und musikalisch entworfen, den „Parsifal“ im Keime empfangen hat.

*

Ohne Wagners Begegnung mit Mathilde Wesendonck, ohne den tragischen Charakter und Ausgang dieser Herzensfreundschaft zweier Menschen, die beide an das Schicksal anderer gebunden waren, wäre das klingende Drama von „Tristan und Isolde“ wohl nie geboren worden. Ohne Mathildens Rückwendung zu ihrem Gatten, ohne den dadurch erzwungenen endgültigen Verzicht Wagners auf ein zwar nie klar geplantes, aber heiß ersehntes Zusammenleben mit ihr und ohne ihren weiteren, noch lange fortdauernden Einfluß auf sein weiches, auch für das Ewig-Weibliche besonders empfängliches Gemüt hätte er wohl kaum den alten Entwurf der „Meistersinger“ wieder hervorgeholt und nach dem „Liebestod“, mit dem das Drama „des tönenden Schweigens“ ausklang, seiner schöpferischen Kraft jenes wissende Lächeln und jenen tröstenden Optimismus abgewonnen, die uns aus dem tief bedeutsamen Spiel um Hans Sachs so sonnig wärmend anstrahlen. „Weißt Du, wie das ward?[*] - Wir wissen es, aber können es erfahren aus jenen Tagebuchblättern und Briefen des „Meisters“, die Frau Wesendonck selbst empfangen und aufbewahrt hat; aus jenen ergreifenden, weit über die persönliche Aussage hinaus aufschlußreichen Dokumenten, die später von Mathildens zweitem Sohn [Karl Wesendonck] und von ihrem Enkel [Friedrich Wilhelm von Bissing] der Öffentlichkeit übergeben wurden. Diese Selbstbekenntnisse, dazu als Ergänzung die inzwischen noch vereinzelt an den Tag gekommenen „Urkunden“ aus dem Züricher Umkreis und aus dem Briefwechsel von Wagners angetrauter Frau Minna, geborenen Planer, erzählen uns bis ins kleinste den inneren wie den äußeren Verlauf der Tragödie, die dank den seltenen Eigenschaften der zwei Hauptpersonen in ein „Preislied“ auf die „Muse des Parnaß“ ausklingen konnte.
Als die Lebenswege dieses genialen Mannes und dieser ungewöhnlichen Frau einander kreuzten, war Mathilde Wesendonck einunddreißig Jahre und Richard Wagner vierzig Jahre alt. Zur Seite Wagners: eine früh gealterte Frau, die ihn im bürgerlichen Sinne gut umsorgte, aber trotz bester Absicht dem Höhenflug seines Herzens und seines Geistes nicht folgen konnte. An der Seite Mathildens: ein Mann von vornehm-gütigem Charakter, der auch geistige Interessen hatte, aber von seinen Geschäften in Anspruch genommen war und die tiefsten seelischen Wünsche seiner anmutigen, trotz ihrer Mutterschaft offenbar noch recht mädchenhaft gebliebenen Frau nicht zu erfüllen vermochte. Das Ehepaar Wagner wurde ins prächtige, kultivierte Haus des Ehepaars Wesendonck gezogen. Holländer-Wagner glaubte in Mathilde seine „Senta“, den ihm bestimmten „Engel“ zu finden. Schon über das Vorspiel zu „Walküre“ (1854) schrieb Wagner: G (esegnet) S (sei) M (Mathilde); die Handschrift der „Faust“-Ouvertüre, die er ihr schenkte, trägt den Vermerk: zum Andenken S(einer) l(ieben) F(rau). Wagner führte Mathilde, des „Kind“, in die Welt der Musik, der Dichtung und der Philosophie, insbesondere der Philosophie Schopenhauers, ein. Sie hörte ihm so zu, wie „Brünnhilde dem Wotan zuhört“. Aus geistiger Bewunderung und Zuneigung wuchs unversehens eine tiefe Liebe zwischen Mann und Weib. Es kennzeichnet Mathilde, daß sie eingedenk der übernommenen Pflichten ihre Gefühle gegenüber Wagner zügelte und andererseits diese Empfindungen ihrem Gatten nicht verhehlte. Es kennzeichnet Otto Wesendonck, daß er seine Eifersucht bezwang und dem bewunderten Genius in einem kleinen Hause neben der herrschaftlichen Villa auf dem „grünen Hügel“ ein „Asyl“ auf Lebenszeit sichern wollte. Doch die Katastrophe ließ sich nicht abwenden. „Tristan“ und „Isolde“ fielen dem „Tag“ zum Opfer. Obwohl sie rechtzeitig erkannten, daß sie nur im Geiste des Mit-Leidens einander angehören durften, wurden sie durch die dämonischen Mächte: Klatsch, Mißtrauen und Eifersucht - der Eifersucht Minnas, Ottos und auch Mathildens - gezwungen, auseinanderzugehen.

*

Nach der Flucht aus dem Züricher Asyl hat Wagner in Venedig den „Tristan“ vollendet. Auf der Fahrt gen Süden begleiteten ihn die „Fünf Gedichte“ von Mathilde Wesendonck, die er in jener Hoch-Zeit seines Lebens vertont hat. In dem Lied „Stehe still!“ glänzt in Tönen Tristans „Liebesblick“ auf. Aus dem Liede „Träume“ wuchs der Liebesgesang des zweiten Tristan-Aktes, aus dem Liede „Im Treibhaus“ die Todessehnsucht des dritten Aktes. In dem Liede „Der Engel“ ist die ganze Erscheinung der Freundin „sehr zart und weich“ versinnbildlicht; jene Lichtgestalt, die der liebende Wagner einmal mit einem „lang gehaltenen weichen Geigenton“ verglich. Es hat Jahre gedauert, bis Wagner den Traum „Mathilde“ begrub. Erst als Frau Wesendonck im Jahre 1862 noch einmal Mutter [Hans] wurde, zerriß das „Wahngebilde“. Zurück blieb Freundschaft, Sorge um das wechselseitige Wohlergehen auch in den kleinen Dingen des Lebens. Mathilde opferte ihr tiefes Gefühl für Wagner ihren Pflichten gegenüber der Familie. Wagner erkannte immer mehr, daß seine Leiden nur die Mittel eines höheren Zweckes waren. Als Mitleidender kehrte er noch kurze Zeit zu der kranken Minna zurück, ließ er auch die Beziehungen zu Mathilde und Otto Wesendonck nicht abreißen. Aber sein Genius führte ihn bald andere Pfade. Auf der Höhe innerer und äußerer Not fand der „Meister“ den königlichen Mäzen und die starke, rücksichtslos entschlossene Gefährtin, die er brauchte, um das Ziel Bayreuth zu erreichen: Cosima.

*

War Mathilde Wesendonck etwa so beschaffen, wie Minna Wagner sie sehen wollte und sehen mußte? War sie vielleicht wirklich eine „kalte“ Frau, die es vorzog, die Gattin eines reichen Kaufmanns zu bleiben, und es verschmähte, die Gefährtin eines armen Künstlers zu werden? Dem widersprechen alle Äußerungen der weniger befangenen und weit urteilsfähigeren Zeugen, die an der Idealität und Feinfühligkeit ihres Wesens keinen Zweifel lassen. Dem widerspricht auch die nackte Tatsache des tiefen Gefühls, das sie in einem Menschen wie Wagner erregt und über die stärksten Belastungsproben hinweg wach gehalten hat. War Wagners eigene Bitterkeit berechtigt, als er, drei Jahre nach der Trennung, an Mathilde schrieb, es sei ihm ein Trost, sie mit Neigungen ausgestattet und in einer bürgerlichen Lage zu wissen, die ihren Leiden einen idyllischen, sanften Charakter ermöglichten? Sicher war Mathilde Wesendonck ihrem Wesen, ihrer Herkunft und Erziehung nach keine Frau, die den letzten, steilen Anstieg Wagners mit dem seltenen Freimut und der ungeheuren Energie des Fühlens und Wollens hätte stützen können, wie es Cosima vergönnt war. Aber ebenso sicher war sie nicht kalt und berechnend und hat den Verzicht auf Erfüllung ihrer Wünsche unter Schmerzen erkämpft. Die edelsten Kräfte und Züge ihrer Natur wie die edelsten seelischen Wirkungen ihres Erlebens mit Wagner sind in dessen reifsten Werke eingegangen, vom „Tristan“ bis zum „Parsifal“, und dadurch über ihr Grab hinaus lebendig geblieben. In die leuchtende Glorie Richard Wagners ist auch der milde Schein ihres Wesens eingewoben.

Karl Holl

Mathilde Wesendonck, geb. am 23. Dezember 1828, gest. am 31. August 1902

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[] Anm. von TS. 
* Hervorhebungen und Illustrationen durch TS.    

Bildnis Mathilde Wesendoncks aus der Züricher Zeit
Bildnis Mathilde Wesendoncks aus der Züricher Zeit.
Gemälde von C. L. Dörner, R. Bory, Coppet. (3)

 

Bilder:
  1. Vergrößern Vergrößern Seidel, Ina (Hrsg.): Deutsche Frauen. Bildnisse und Lebensbeschreibungen. Verlag Ernst Steiniger, Berlin 1939. 
  2. Ebenda. S. 204. 
  3. Ebenda. S. 208+.
    Dorner, Johann Conrad: Mathilde Wesendonck. ÖLw, 1860 (R. Bory, Coppet).  

Quellen:
  1. externer Link Wikipedia Holl, Karl: Mathilde Wesendonck. In: externer Link Wikipedia Seidel, Ina (* 1885 - † 1974) (Hrsg.): Deutsche Frauen. Bildnisse und Lebensbeschreibungen. Eingeleitet von Ina Seidel. Verlag Ernst Steiniger, Berlin 1939, S. 204 - 207. 

Bibliografie:
  • Holl, Karl: Mathilde Wesendonck. In: Seidel, Ina (Hrsg.): Deutsche Frauen. Bildnisse und Lebensbeschreibungen. Eingeleitet von Ina Seidel. Verlag Ernst Steiniger, Berlin 1939, S. 204 - 207. 


Unbekannte Briefe an Rappoldi

Die Musik. XXVIII. Jahrgang, 1936Unbekannte Briefe von Wesendonck an Rappoldi


1936

Zeitschriftenartikel


In der Rubrik Zeitgeschichte im Heft 7 des XXVIII. Jahrganges (1936) der Monatsschrift Die Musik erschien ein Artikel über den Fund unbekannter Briefe von Wesendoncks an die Pianistin externer Link Laura Rappoldi, geb. Kahrer (* 1853, Mistelbach, Österreich - † 1925, Dresden) und den Violinisten und Komponisten externer Link Eduard Rappoldi (* 1831, Wien - † 1903, Dresden) während ihrer Dresdner Zeit durch den Musikkritiker externer Wiki-Link Felix von Lepel (* 1899, Dresden - † 1979, Berlin). [1]


Artikel S. 558 im Heft 7, XXVIII. Jahrgang 1936
Artikel in: Die Musik. XXVIII. Jahrgang, Heft 7, April 1936, S. 558.

Zeitgeschichte

Im Nachlaß der einstmals hochberühmten und gefeierten Pianistin Laura Rappoldi-Kahrer, die mit Wagner, Chopin, Liszt, Bülow und allen anderen musikalischen Größen ihrer Zeit in Berührung gekommen und vor etwa zehn Jahren in Dresden gestorben ist, entdeckte Felix von Lepel sieben bisher unbekannte Briefe, die Mathilde Wesendonck*, die große Freundin und Verehrerin Richard Wagners, teils an den Geiger Rappoldi, teils an dessen Gattin, die Pianistin Laura Rappoldi, in den Jahren 1880 bis 1883 gerichtet hat. Der Nachlaß wird von der in Dresden lebenden Tochter Laura Rappoldis betreut. Der letzte der sieben Briefe ist kurz nach Wagners Tod (1883) geschrieben. Die Briefe handeln u. a. von den Quartettabenden und Matineen, welche Rappoldi, externer Link Grützmacher [(* 1832, Dessau - † 1903, Dresden)]"** und einige andere Musiker jener Zeit im kunstliebenden Hause von Mathilde Wesendonk veranstalteten.

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*  Texthervorhebungen so nicht im Original. (TS)
** Anm. Autor.
 
 

Bilder:
  1. Vergrößern Die Musik. Monatsschrift, Amtliches Organ der NS-Kulturgemeinde, Amtliches Mitteilungsblatt der Berliner Konzertgemeinde. XXVIII. Jahrgang.

Quellen:
  1. externer Link Archive.org 

Links:

Bibliografie:
  • Lepel, Felix von: Unbekannte Briefe von Wesendonck an Rappoldi. In: Die Musik. Monatsschrift, Amtliches Organ der NS-Kulturgemeinde, Amtliches Mitteilungsblatt der Berliner Konzertgemeinde (Konzertring der NS-Kulturgemeinde). XXVIII. Jahrgang, Heft 7, April 1936. Max Hesses Verlag, Berlin 1936, S. 558. 


Eine Erinnerung an Mathilde Wesendonck

Zeitschrift für Musik. 101. Jahrgang, 1934Eine Erinnerung an Mathilde Wesendonck


1934

Zeitschriftenaufsatz


Ein Aufsatz von Otto Richter aus dem Jahre 1934, der in der Zeitschrift für Musik veröffentlicht wurde und seine Dresdner Erinnerungen an Mathilde Wesendonck zum Inhalt hat. [1]


In der Sächsische Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden (SLUB) befindet sich das Manuskript zu diesem Aufsatz von Otto Richter. [2]

Otto Richter: Eine Erinnerung an Mathilde Wesendonck. 1933
Briefumschlag zum Manuskript Eine Erinnerung an Mathilde Wesendonk, um 1933.

 

Zeitschrift für Musik. 101. Jahrgang, Heft 5, Mai 1934
Zeitschrift für Musik. 101. Jahrgang, Heft 5, Mai 1934.

Eine Erinnerung an Mathilde Wesendonck.

Von Otto Richter, Dresden.

Im Winter 1881/82 habe ich einmal einen unvergeßlichen Nachmittag und Abend im Dresdner Heim der Wesendoncks* verlebt. Heinrich Schulz-Beuthen, der Franz Liszt nahestehende Dresdner Tondichter (er war mein Theorielehrer), führte mich auf Frau Wesendoncks Veranlassung dort ein. Es sollte, wie schon so oft, an jenem Abende rezitiert und auch ein neues instrumentales Opus von Schulz-Beuthen, den damals in hohem Ansehen Stehenden, aus der Taufe gehoben werden, und dies unter Mitwirkung des Komponisten, meiner Base Elisabeth externer Wiki-Link von Beschwitz und des Schreibers dieser Zeilen. Wenn ich nicht irre, wirkte auch der 10jährige Enkelsohn der Wesendoncks, Friedrich Wilhelm von Bissing (dessen Pate der spätere externer Wiki-Link Kaiser Friedrich III. war)1 dabei mit, wenn auch nur als "Umwender". Freudigen Herzens holten E. v. Beschwitz und ich den Komponisten und seine Gattin aus deren in der Winkelmannstraße gelegenen Wohnung ab. Bald gelangten wir zur Wesendonckschen Villa, Ecke Goethe- und Wienerstraße im "Englischen Viertel". Hier wohnte die Familie seit 11 Jahren, nachdem sie ihr Züricher Zauberschlößchen auf dem "Grünen Hügel" verlassen hatte. Dieses ihr Dresdner Heim war ein großer vornehmer Renaissance-Bau, in dessen schön gepflegtem Vorgarten ein Bronceabguß des antiken betenden Knaben stand. Auf unser Glockenzeichen (elektrische Hausklingeln gab es noch nicht) erschien ein würdiger alter Diener, ein altes Faktotum, das schon auf dem "Grünen Hügel" so manches miterlebt hatte, und in seinem Gefolge noch andere Bedienstete, deren die reiche Familie ein ganzes Korps (2 männliche und 6 weibliche) besaß. Klopfenden Herzens betraten wir das Haus, von den beiden freundlichen Söhnen Hans und Karl Wesendonck empfangen. Diese führten uns zunächst in die "Gemäldegalerie" des Hausherrn, den Sammelplatz der Gäste. Bald darauf erschienen auch unsere lieben Gastgeber. Otto Wesendonck fiel uns sogleich auf durch seine treuherzige, liebevolle Art der Begrüßung. Frau Mathilde aber mit ihren feinen Gesichtszügen, den gütigen, klugen Augen sowie dem vollen, in der Mitte gescheitelten Haare machte trotz ihrer 54 Jahre einen noch jugendlichen, jedenfalls ungemein gewinnenden Eindruck. Von ihren innigen Beziehungen zu Richard Wagner ahnte ich damals noch nichts. Auch die Dresdner wußten wohl nur, daß sie die vornehme Patrizierin war, die mit feinstem Geschmack in ihrem "Hause der Freude", wie sie ihr Heim nannten, Feste von unvergleichlicher Schönheit gab und "die geistig bedeutendsten Menschen dort zu regem Verkehr zusammenführte, ja durch ihren edlen Takt und ihre Herzensgüte jahrelang entfremdete, ja verfeindete Männer der Wissenschaft und Kunst versöhnte und zu gemeinsamem Wirken für große Aufgaben vereinigte". (H. Göring.) Wie ich, der damals noch unreife Jüngling, dazu kam, in diese illustre Gesellschaft eingeführt zu werden, ist mir heute noch rätselhaft. Wenn auch unbewußt, wurde ich dadurch eines großen Erlebnisses teilhaftig, der persönlichen und nahen Berührung mit Otto und Mathilde Wesendonck. Dafür werde ich mein Lebtag dankbar sein!
 
Mit einem glänzenden Diner begann der Festabend. Hierauf folgte nach literarischen Vorträgen und Rezitationen (denen ich damals wohl noch nicht immer zu folgen vermochte) unsere instrumentale Darbietung. Diese trug dem Komponisten und uns Mitwirkenden warmen und herzlichen Beifall ein. Mathilde Wesendonck dankte uns mit warmem Händedruck. Dann spielte Prof. Hermann Scholtz Chopin. Ganz herrlich. Liszt bezeichnete ihn damals als den besten Chopinspieler. Auch Franz Ries, der Unvergeßliche, ließ sich, von unserem "Onkel Scholtz" begleitet, auf seiner Meistergeige hören. Ich glaube, er spielte (mit Scholtz) die G-dur-Sonate von Brahms. Ries entstammte einer alten Musikerfamilie, sein Ahnherr war bekanntlich Franz Anton Ries, der Violinlehrer und Freund Beethovens. In der Folge wurden wir noch durch eine besondere Gabe erquickt: Ein Mitglied der Hofoper (wenn ich nicht irre, war es Frau Klementine v. Schuch-Proska) sang Wagners Wesendonck-Lieder, die damals noch fast unbekannt waren. Eine tiefe Bewegung ging durch die Reihen, die ich mir damals nicht recht erklären konnte. Während dieser Gesänge saß Frau Mathilde, der ja diese 5 Lieder "als intimste Huldigung des großen Meisters" galten, in einer in Dämmer gehüllten Nische, von uns Gästen ungesehen. "Niemand ahnte den Grund dieser tiefen Pietät, die ein Heiligtum in der tiefsten Stille des Herzens vor jeder Entweihung durch offenkundiges Preisgeben wahrte. Außer dem Gemahl, diesem innerlich vornehmen Charakter, konnte niemand dies fast seltsame Gebahren verstehen." Als Gäste wohnten jenem unvergeßlichen Abende, soweit ich mich erinnere, bei: der Kunsthistoriker externer Wiki-Link Hermann Hettner, der dem Hause besonders nahe stand, sowie der Maler Kietz (Wagnerschen Pariser Angedenkens!). Auch der Dichter und Literaturhistoriker externer Wiki-Link Adolf Stern (seine Frau Margarete war eine bekannte Liszt-Schülerin) spendete irgendeine Gabe (Hölderlin?). Der liebevolle externer Wiki-Link Ludwig Richter aber, der so gern in Wesendoncks Gemäldegalerie weilte und dort seine "feinen Bemerkungen über Malerei an einzelne Werke der alten Italiener knüpfte", hatte leider abgesagt. Er stand damals schon im 80. Lebensjahre. Keine Gelegenheit hatte ich bisher versäumt, ihn zu sehen. Regelmäßig war solches der Fall Sonntags 11 Uhr in der katholischen Hofkirche, wo der liebe Meister während der Messe-Musik auf dem Eckplatze der vordersten Bank des rechten Seitenschiffes zu sitzen bzw. zu knien pflegte, seinen Blick dem herrlichen Altarbilde Torellis zugewendet.2 Nicht lange vorher hatte ich einmal im Saale des "Gewerbehauses" während eines Symphoniekonzertes der Königlichen Kapelle neben ihm gesessen, wo eine unvergleichliche Wiedergabe der B-dur-Symphonie von Beethoven unter meinem Lehrer externer Wiki-Link Franz Wüllner sich meinem jungen Herzen tief einprägte. Noch heute sehe ich dabei Ludwig Richter mit etwas seitlich geneigter Kopfhaltung, andächtig lauschend, zu meiner Rechten. Otto und Mathilde Wesendonck hatten ihren Platz in der 1. Saalreihe, nicht weit von der Königlichen Familie.
 
Doch noch einmal zurück zum Eckhause Goethestraße! Was mir an jenem Abende noch im Einzelnen zum Erlebnis wurde, vermag ich heute, nach 52 Jahren, nicht mehr zu sagen. Soviel aber weiß ich, daß unsere gütige Gastgeberin (sie führte uns zwischendurch auch mal in ihr fürstliches, mit blauer Seide ausgeschlagenes Zimmer) wirklich die erlebte Isolde Richard Wagners gewesen ist, "deren vornehm nordischer Weiblichkeit die unantastbare Reinheit ihrer Ehe mit dem herzenstreuen, über allem kleinlichen Argwohn erhabenen Otto Wesendonck eine Selbstverständlichkeit war". Rich. Wagner pries sich und beide Wesendoncks glücklich, daß es "so etwas gab", wie die ungetrübte Züricher Freundschaft dieser drei Menschen. Wie keusch pietätvoll diese herrliche deutsche Frau ihr "hold Geheimnis" wahrte – gleich der Elisabeth des Tannhäusers – das sieht man daran, daß sie von 1858 bis 1900 nie ein Wort über ihren Geistesbund mit Rich. Wagner sprach, bis unrichtige Urteile darüber sie zwangen, die Tagebuchblätter und Briefe zu veröffentlichen, die schon fast in 100. Auflage in den unschätzbar wertvollen Dokumenten vorliegen: "Richard Wagner an Mathilde Wesendonck" (Tagebuchblätter und Briefe 1853 bis 1871, herausgegeben, eingeleitet und erläutert von Wolfgang Golther. Mit einer Notenbeilage: Fünf Gedichte für eine Frauenstimme. Leipzig, Breitkopf & Härtel, 1922).3  

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1 Seine Tante von Bissing verkehrte im Hause meines Dresdner Onkels von Beschwitz (meinem damaligen Domizil). Ich sah sie dort zuweilen bei Tisch.
2 Übrigens stand L. Richter kirchlich ähnlich wie H. v. Herzogenberg, Rosegger und Reger. Er war auch mit dem Berliner Oberhofprediger D. Kögel bekannt und vertiefte sich gelegentlich in die protestantische Kirchenzeitung externer Wiki-Link Hengstenbergs.
3 Mehr über Mathilde Wesendonck in Dresden siehe in "Erinnerungen an Mathilde Wesendonck" von Dr. H. Göring, "Türmer", 1926, Heft 8.
* Texthervorhebungen im Original gesperrt geschrieben. (TS)

 

Bilder:
  1. Vergrößern  Bosse, Gustav (Hrsg.): Zeitschrift für Musik. Monatsschrift für eine geistige Erneuerung der deutschen Musik. 101. Jahrgang, 1934.

Quellen:
  1. externer Link Archive.org 
  2. externer Link SLUB Dresden [Mscr.Dresd.App.2366]

Links:

Bibliografie:
  • Richter, Otto: Eine Erinnerung an Mathilde Wesendonck. Dresden. In: Bosse, Gustav (Hrsg.): Zeitschrift für Musik. Monatsschrift für eine geistige Erneuerung der deutschen Musik. Gegründet 1834 von Robert Schumann. 101. Jahrgang, 1934, I. Halbjahr (Januar mit Juni), Heft 5. Gustav Bosse Verlag, Berlin, Regensburg u. a. Mai 1934, S. 498 - 500. 


Das Geburtshaus Mathilde Wesendonks im Elberfelder Kipdorf

Bergisch-Jülichsche Geschichtsblätter. Heft 3/4, 1931Das Geburtshaus Mathilde Wesendonks
im Elberfelder Kipdorf


1931

Zeitschriftenartikel


In der Monatsschrift des Bergischen Geschichtsvereins für die alten Herzogtümer Berg und Jülich, Bergisch-Jülichsche Geschichtsblätter von 1931 (8. Jahrgang, Heft 3/4 - April/Oktober) veröffentlichte Dr. Alfred Schulz seinen Aufsatz Das Geburtshaus Mathilde Wesendonks im Elberfelder Kipdorf


Bergisch-Jülichsche Geschichtsblätter. Heft 3/4, 1931, S. 40
Aufsatz von Alfred Schulz in: Bergisch-Jülichsche Geschichtsblätter. 1931, Heft 3/4, S. 40 - 41.

Das Geburtshaus Mathilde Wesendonks
im Elberfelder Kipdorf.

Von Dr. Alfred Schulz.

Mathilde Wesendonk, die Frau, der Richard Wagner so unendlich viel zu verdanken hat, wurde am 23. Dezember 1828 in Elberfeld im Hause Kipdorf 27 geboren, als Tochter des bekannten Kaufmanns und späteren kgl. Kommerzienrats Karl Luckemeyer und seiner Frau Johanna geb. Stein*. Angeregt durch den zum hundertsten Male sich jährenden Geburtstag ist es meinem inzwischen verstorbenen Vater durch Nachforschungen gelungen, einwandfrei aus den in den Archiven des Elberfelder Landgerichts vorhandenen Kirchenbüchern der bergischen Gemeinden den Nachweis zu erbringen, daß das noch gut erhaltene im altbergischen Stil erbaute Haus Kipdorf 27** das Geburtshaus Mathilde Wesendonks ist.
In diesem Zusammenhange dürfte es von allgemeinem Interesse sein, daß der Vater Luckemeyer, wie aus den Kirchenbüchern zu ersehen ist, seine Tochter unter dem Namen Agnes in das Taufregister hat eintragen lassen. Einem reinen Zufall verdanken wir es, wenn wir heute mit Bestimmtheit den Grund dieser eigenartigen Namensänderung kennen. Gelegentlich eines Besuches bei der jetzt noch in Berlin lebenden, hochbetagten letzten Beschließerin des Hauses Wesendonk erzählte diese, auf Bitten ihres Gatten, Otto Wesendonk, habe sie sich von ihm Mathilde nennen lassen und sei dann immer so genannt worden. Erst nach dem Tode ihres Mannes habe sie dann den eigentlichen Grund erfahren, der ihn zu dieser Bitte bewogen hat. Otto Wesendonks erste Frau, mit Vornamen Mathilde, habe er nach ganz kurzer Ehe schon auf der Hochzeitsreise in Florenz verloren. Dem Andenken an diese Frau (die Tatsache dieser ersten Ehe habe Frau Wesendonk erst nach dem Tode ihres Mannes erfahren) dürfte wohl die Bitte dieser eigenartigen Namensänderung entsprungen sein, die "Agnes", großzügig wie sie war, ihrem jungen Gatten gern gewährte. In dem Testament Otto Wesendonks findet man hierüber nur die kurze Bemerkung: Da der Name Agnes nicht gefiel, wurde der Vorname Mathilde gebraucht." Dieser noch lebenden letzten Beschließerin, Fräulein Hoffmann, der sie durch langjährige treue Dienste für ihr Haus freundschaftlich nahe gestanden hat, vertraute Frau Wesendonk den eigentlichen Grund dieser sonderbar anmutenden Namensänderung an. Auch mancherlei interessante Erinnerungen aus ihrem Leben bewahrte diese Dame noch auf, die wert wären, am Ort ihrer Geburt in einem eigenen "Wesendonkzimmer" gesammelt zu werden.
Welchen überreichen Einfluß Mathilde Wesendonk während des Aufenthaltes Richard Wagners in seinem "Asyl" am Züricher See gehabt hat, dürfte zur Genüge bekannt sein. Frau Wesendonk erzählt darüber in ihren Erinnerungen, mitgeteilt durch Wolfgang Golther nach A. Heintz in der Allgemeinen Musikzeitung vom 14. Februar 1896, nachdem sie die tiefen Eindrücke schildert, die sie allmählich durch die freundschaftlichen Beziehungen Wagners zu ihrem Hause empfangen hat, u. a. folgendes: Erst 1853 wurde der Verkehr freundschaftlicher und vertrauter. Alsdann begann der Meister, mich in seine Intensionen näher einzuweihen. Zunächst las er die "Drei Opern-Dichtungen", die mich entzückten, hierauf die Einleitung dazu und allmählich eine seiner Prosa-Schriften nach der anderen ...
1854 (von Juni bis Dezember) schrieb und vollendete er die Skizzen zur "Walküre". Das kurze Vorspiel trägt die Buchstaben: G(esegnet) S(ei) M(athilde)!
Wesendonk verehrte ihm um diese Zeit eine amerikanische Goldfeder. Mit dieser Goldfeder hat er die ganze Orchester-Partitur der "Walküre" geschrieben, die ein wahres Meisterwerk der Kalligraphie ist. Diese Partitur war Wesendonks Eigentum, er hat sie durch Ankauf vom Meister erworben. Später hat er sie, auf Wunsch des Meisters, Sr. M. dem König Ludwig II. von Bayern zum Geschenk gemacht und dafür einen eigenhändigen Brief des Königs als Dank und als Gegengabe erhalten.
Eine "Faust"-Ouvertüre, geschrieben in Paris im Januar 1840, neu bearbeitet in Zürich im Januar 1855, hatte er die Absicht, mir zu widmen. Plötzlich überkam ihm der Gedanke, daß das unmöglich sei! "Unmöglich", rief er aus, "kann ich Ihnen das furchtbare Motto an die Brust heften:
"Der Gott, der mir im Busen wohnt,
Kann tief mein Innerstes erregen;
Der über allen meinen Kräften thront,
Er kann nach außen nichts bewegen;
Und so ist mir das Dasein eine Last,
Der Tod erwünscht, das Leben mir verhaßt."***
So begnügte er sich, mir die Partitur zu verehren und darunter die wenigen Worte zu setzen: "R. W. Zürich 17. Jan. 55 zum Andenken S(einer) l(ieben) F(reundin)!" ...
Was er am Vormittage komponierte, das pflegte er am Nachmittage auf meinem Flügel vorzutragen und zu prüfen. Es war die Stunde zwischen 5 und 6 Uhr; er selbst nannte sich: "den Dämmermann".
Da kam es denn auch vor, daß etwas ihn nicht befriedigte und er nach einem anderen Ausdruck suchte. Einmal war das der Fall beim Aufbau des Walhall-Motivs. Ich sagte: "Meister, das ist gut!" Er aber: "Nein, nein, es muß noch besser werden." - Er ging eine Weile ungeduldig im Salon auf und ab, rannte dann endlich hinaus. Am folgenden Nachmittag erschien er nicht, auch am zweiten und dritten blieb er fern. Endlich kommt er ganz still und unbemerkt herein, setzt sich an den Flügel und spielt das herrliche Motiv ganz wie früher. "Nun?" - sagte ich. - "Ja, ja! Sie hat recht, ich kanns nicht besser machen!"
So habe ich das Beste, was ich weiß, nur ihm zu verdanken." ...
Aufs tiefste haben die Beziehungen zu dieser Frau Wagners künstlerisches Schaffen befruchtet und beeinflußt. Für sie hat er die "Albumsonate" geschrieben, und in der Vertonung der "Fünf Gedichte" hat er ihrer beiden seelischen Verbundenheit ein ewiges erhabenes Denkmal gesetzt. Ihr Einfluß auf Komposition und Dichtung der "Meistersinger" ist unverkennbar. Hätte Mathilde Wesendonk, die er seine "Muse" nennt und "den Engel, der mich so hoch erhoben", den Weg des Meisters nie gekreuzt, so wäre "Tristan und Isolde", sein größtes Wunderwerk, wohl nie entstanden. Noch viele Jahre später schreibt Richard Wagner an die Freundin: "Daß ich den Tristan geschrieben, danke ich Ihnen aus tiefster Seele in alle Ewigkeit!" Schlicht und einfach schreibt über diese Tatsache Frau Wesendonk: "Richard Wagner liebte sein "Asyl", wie er sein Heim in der Enge bei Zürich nannte. Mit Schmerz und Trauer hat er es verlassen, - freiwillig verlassen! Warum? Müßige Frage! Wir haben aus dieser Zeit das Werk: "Tristan und Isolde"! Der Rest ist Schweigen und sich neigen in Ehrfurcht!"
Die Kunde von der Existenz der Geburtsstätte unserer berühmten Elberfelder Mitbürgerin, die ihre letzte Ruhestätte in rheinischer Erde auf dem alten Bonner Friedhof gefunden hat, in weiteste Kreise zu bringen und die Erinnerung an sie wach zu halten, dürfte eine dankbare Aufgabe sein. In etwa ist dieses Haus dadurch dem Alltagsleben entzogen worden, daß zwei hiesige Körperschaften, der Oststädtische Bürgerverein und der Bund Deutscher Akademiker des Wuppertals an diesem Hause eine Marmortafel haben anbringen lassen, auf der die geschichtliche Tatsache niedergeschrieben ist. Am 23. November 1930 wurde sie in feierlichem Akt der Stadtverwaltung zu treuen Händen übergeben. Eine Erinnerungsstätte ist dadurch geschaffen, die man durch Stellung des Hauses unter Denkmalschutz der Nachwelt erhalten könnte.
Ist das "Wesendonkhaus" im Kipdorf 27 erst tatsächlich als solches bekannt, so werden die Verehrer dieser einzigartigen Frau und der Kunst Richard Wagners aus aller Welt hinpilgern zur Wiege "seiner Muse"!

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*    Johanna Stein (geb. zu Köln am 3. Juli 1801, gest. zu Düsseldorf am 30 Januar 1862) war die Tochter des Kölner Kaufmanns Johann Heinrich Stein, des Gründers des noch blühenden Bankhauses "J. H. Stein" in Köln und dessen Ehefrau Katharina Peill aus Stolberg, entstammte also mütterlicherseits einem alten Elberfelder Geschlecht. Die Schriftltg.
**   Texthervorhebungen so nicht im Original (gesperrt geschrieben). (TS)
***  Original: Aus Goethes "Faust". Vgl. auch: Richard Wagners Briefe in Originalausgaben. Erste Folge, V. Richard Wagner an Mathilde Wesendonk. Verlag von Breitkopf & Härtel, Leipzig 1912, S. VIII. (TS)
 
 

Bilder:
  1. Vergrößern Bergisch-Jülichsche Geschichtsblätter. Monatsschrift des Bergischen Geschichtsvereins für die alten Herzogtümer Berg und Jülich. 8. Jahrgang, 1931, Heft 3/4 April/Oktober. Verlag A. Martini & Grüttefin, Elberfeld 1931.

Links:

Bibliografie:
  • Richard Wagners Briefe in Originalausgaben. Erste Folge, Band V. Richard Wagner an Mathilde Wesendonk. Verlag von Breitkopf & Härtel, Leipzig 1912.  
  • Schulz, Alfred: Das Geburtshaus Mathilde Wesendonks im Elberfelder Kipdorf. In: Bergisch-Jülichsche Geschichtsblätter. Monatsschrift des Bergischen Geschichtsvereins für die alten Herzogtümer Berg und Jülich. 8. Jahrgang, 1931, Heft 3/4 April/Oktober. Verlag A. Martini & Grüttefin, Elberfeld 1931, S. 40 - 41.