09.02.2016

Friedrich Wilhelm von Bissing

Friedrich Wilhelm von Bissing, um 1910Prof. Dr. Friedrich Wilhelm
Freiherr von Bissing


* 1873 - † 1956

Ägyptologe, Orientalist


Er war ein Enkel von Otto und Mathilde Wesendonck.

 

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Bissing, Friedrich Wilhelm Freiherr von
1873 bis 1956, Ägyptologe; Althistoriker; Orientalist; Sammler; Professor in München.

Friedrich Wilhelm von Bissing (* 22.04.1873, Potsdam - † 12.01.1956, Oberaudorf am Inn).

Er war der Sohn des späteren preußischen Generals Moritz von Bissing und Myrrha Wesendonck (verh. Freifrau von Bissing). Er wurde durch Primogenitur in den Freiherrenstand erhoben.
Er besuchte das externer Wiki-Link Joachimsthalsche Gymnasium in Berlin. Ab 1892 studierte er hier und in Bonn Klassische Philologie (erhalten ist die Nachschrift dreier Vorlesungen von externer Wiki-Link Hermann Diels (Altphilologe)), Klassische Archäologie und Kunstgeschichte, sowie Ägyptologie (bei externer Wiki-Link Adolf Erman). 1896 wurde er in Bonn bei externer Wiki-Link Alfred Wiedemann (Ägyptologe) mit der Dissertation Die statistischen Tafeln Thutmosis III. promoviert. 1897 bis 1898 war er als freier Mitarbeiter für das Wörterbuch der ägyptischen Sprache der Berliner Akademie tätig.

Es folgte ein längerer Aufenthalt in Ägypten. Hier war er unter anderem an der Erstellung des Generalkatalogs des Kairoer Museums (Catalogue général des antiquités égyptiennes du Musée du Caire) beteiligt, in dem er die Gefäße aus Metall, Fayence und Stein bearbeitete. In der Zeit von 1898 bis 1901 grub er zusammen mit externer Wiki-Link Ludwig Borchardt (Leiter der Ausgrabung) das externer Wiki-Link Sonnenheiligtum des Niuserre aus. Die Ausgaben für die Ausgrabung bestritt er aus eigenen Mitteln. Nach der Rückkehr wurde er 1901 an der Universität München habilitiert, 1905 dort zum Extraordinarius, 1906 zum Ordinarius ernannt. Unterricht und Forschung konnte er weitgehend mit Hilfe seiner eigenen großen Bibliothek und reichen Sammlung ausüben. 1922 wurde er an die externer Wiki-Link Universität Utrecht berufen, wo er bis zu seiner Emeritierung 1926 lehrte. Die 30 Jahre bis zu seinem Tod lebte er als Privatgelehrter auf einem Gut bei Oberaudorf am Inn.

Er galt als politisch reaktionär, ihm wurde völkische, antisemitische und antikatholische Einstellung vorgeworfen. Er gehörte seit 1925 der NSDAP an und war ein Freund von externer Wiki-Link Rudolf Heß. Er trug das Goldene Parteiabzeichen. Er blieb dabei gläubiger Protestant und war sogar Mitglied der Landessynode der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern. Er scheiterte in seinen Bemühungen, gleichzeitig Partei und Kirche die Treue zu halten. 1937 wurde er trotz eines Gnadenappells an den Führer aus der Partei ausgeschlossen. Abgekehrt vom Nationalsozialismus hat er sich aber vor 1945 nicht mehr. Mit einzelnen Auswüchsen des Nationalsozialismus konnte er sich jedoch nicht abfinden. Nach der sogenannten „Reichspogromnacht“ im Jahr 1938 besuchte er seinen jüdischen Fachkollegen externer Wiki-Link Georg Steindorff, um diesen sein Bedauern über die Vorgänge auszudrücken.

Neben den Schriften im Bereich der Ägyptologie verfasste er noch eine Vielzahl von politischen Aufsätzen und anderen Beiträgen zur weltpolitischen Lage.

Er war seit 1904 mit Elisabeth (Elsa) Freifrau externer Wiki-Link von Carlowitz (1875−1961, sächsisches Adelsgeschlecht) verheiratet. Seine Bibliothek wurde nach seinem Tod versteigert.

Kinder: Franz von Wesendonk, Mathilde Bets

Pseudonym: externer Wiki-Link Anacharsis (sagenumwobener Skythe, der zu Solons Zeiten (um 600 v. Chr.) eine Entdeckungsreise durch Griechenland unternommen hat) 

1934 Eine Erinnerung an Mathilde Wesendonck.

10jährige Enkelsohn der Wesendoncks, Friedrich Wilhelm von Bissing (dessen Pate der spätere externer Wiki-Link Kaiser Friedrich III. war)1 dabei mit, wenn auch nur als "Umwender".

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1 Seine Tante von Bissing verkehrte im Hause meines Dresdner Onkels von Beschwitz (meinem damaligen Domizil). Ich sah sie dort zuweilen bei Tisch.


Friedrich Wilhelm Freiherr von Bissing: Mathilde Wesendonck. Die Frau und die Dichterin. Wien 1942
Bissing, Friedrich Wilhelm Freiherr von: Mathilde Wesendonck.
Die Frau und die Dichterin. Wien 1942.


Elisabeth "Else" Freifrau von Carlowitz, verh. von Bissing (* 1875 - † 1961),
Ex Libris des Münchener Jugendstilmalers Max Reach


Veröffentlichungen
Ein thebanischer Grabfund aus dem Anfang des neuen Reichs, 1900
Die Mastaba des Gem-ni-kai, 1905
Das Re-Heiligtum des Königs Ne-woser-re (Rathures), 1905
Einführung in die Geschichte der ägyptischen Kunst von den ältesten Zeiten bis auf die Römer, 1908
Die Kultur des alten Ägyptens, 1913
Denkmäler ägyptischer Sculptur, 1914
Die Kriegsziele unserer Feinde (Bibliothek für Volks- und Weltwirtschaft Heft 20), Dresden 1916
Die Bedeutung der orientalischen Kunstgeschichte für die allgemeine Kunstgeschichte, 1922
Untersuchungen zu den Reliefs aus dem Re-Heiligtum des Rathures, 1922
Zeit und Herkunft der in Cerveteri gefundenen Gefässe aus ägyptischer Fayence und glasiertem Ton, 1941
Der Fussboden aus dem Palaste des Königs Amenophis IV. zu El Hawata im Museum zu Kairo, 1941
Die Baugeschichte des südlichen Tempels von Buhen (bei Wadi Halfa), 1942
Ägyptische und mesopotamische Siegelzylinder des III. Jahrtausends vor Christus, 1943
Versuch zur Bestimmung der Grundbedeutung des Wortes Nutr für Gott im Altägyptischen, 1951
Die altafrikanische Herkunft des Wortes Pavian-Babuin und sein Vorkommen als Gottesname in altägyptischen Texten, 1951
Altägyptische Lebensweisheit, Bibliothek der Alten Welt, Reihe Der Alte Orient, 1955

Ein vollständiges Schriftenverzeichnis in Zeitschrift für Ägyptische Sprache und Altertumskunde 84, 1959, S. 1-16.

Literatur
Hellmut Brunner: Friedrich Wilhelm Freiherr von Bissing (22. April 1873–12. Januar 1956). In: Archiv für Orientforschung 17, 1954/56, S. 484–485.
Hans-Wolfgang Müller: Friedrich Wilhelm Freiherr von Bissing 1873–1956. In: Zeitschrift für Ägyptische Sprache und Altertumskunde 81, 1959, S. IV–VI.
Hermann Grapow: Meine Begegnung mit einigen Ägyptologen. Seitz, Berlin 1973, S. ?.
Warren R. Dawson, Eric P. Uphill: Who Was Who in Egyptology. 3rd edition by Maurice L. Bierbrier. The Egypt Exploration Society, London 1995, ISBN 0-85698-125-7, S. 46–47.
Bissing, Friedrich Wilhelm Frhr. v., in: Wolfgang Helck, Eberhard Otto: Kleines Lexikon der Ägyptologie. 4. überarbeitete Auflage. Harrassowitz, Wiesbaden 1999, ISBN 3-44704-027-0, S. 53.
Thomas Beckh: Das Institut für Ägyptologie der Ludwig Maximilian Universität im Nationalsozialismus, in: Elisabeth Kraus (Hg.): Die Universität München im Dritten Reich. Aufsätze. Band 1. Utz, München 2006, ISBN 3-8316-0639-0, S. 249–297.
Thomas L. Gertzen: Das Engagement des Ägyptologen Friedrich Wilhelm Freiherr von Bissing für die deutsche Kriegspropaganda im Ersten Weltkrieg
   Teil 1: Belgien unter deutscher Besatzung. In: Göttinger Miszellen 221, 2009, S. 109–118.
   Teil 2: Wünsche und Ziele. In: Göttinger Miszellen 222, 2009, S. 95–104.

Alfred Grimm: Friedrich Wilhelm Freiherr von Bissing. Ägyptologe, Mäzen, Sammler (= Recherchen zu Aegyptiaca in München, Studien zur Erwerbungsgeschichte der Sammlung. Bd. 5). Staatliches Museum Ägyptischer Kunst, München 2010, ISBN 978-3-00-030132-2.
Stefan Heid: Friedrich Wilhelm von Bissing. In: Stefan Heid, Martin Dennert (Hrsg.): Personenlexikon zur Christlichen Archäologie. Forscher und Persönlichkeiten vom 16. bis zum 21. Jahrhundert. Schnell & Steiner, Regensburg 2012, ISBN 978-3-7954-2620-0, Bd. 1, S. 194-195.
Alexandra Verbovsek: Bissing, Friedrich Wilhelm von. In: Peter Kuhlmann, Helmuth Schneider (Hrsg.): Geschichte der Altertumswissenschaften. Biographisches Lexikon (= Der Neue Pauly. Supplemente. Band 6). Metzler, Stuttgart/Weimar 2012, ISBN 978-3-476-02033-8, Sp. 107 f.
Peter Raulwing, Thomas L. Gertzen: Friedrich Wilhelm Freiherr von Bissing im Blickpunkt ägyptologischer und zeithistorischer Forschungen: die Jahre 1914 bis 1926. In: Thomas Schneider, Peter Raulwing (Hrsg.): Egyptology from the First World War to the Third Reich. Ideology, Scholarship, and Individual Biographies. Brill, Leiden/Boston 2013, ISBN 978-90-04-24329-3, S. 34-119.



 

Bilder:
  1. Friedrich Wilhelm von Bissing, um 1910.

Quellen:
  1. Autor.

Links:

Bibliografie:
  • Bissing, Friedrich Wilhelm Freiherr von: Mathilde Wesendonck. Die Frau und die Dichterin. Im Anhang: Die Briefe C. F. Meyers an Mathilde Wesendonck. In: Vorträge. Erste Reihe. Heft 32/33 ( = Vortrag vom 23. November 1940 im Kaiser Wilhelm-Institut für Kulturwissenschaft im Palazzo Zuccari, Rom). Verlag Anton Schroll & Co., Wien 1942.
  

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